Kirche zur Heiligen Dreifaltigkeit in Liesing bei Wien

Vor gar nicht langer Zeit hatte ein befreundeter Galerist eine Ausstellung mit Entwurfsmodellen zu der Wotruba-Kirche bei Wien. Ich war also eigentlich gut vorbereitet. Die Kirche liegt ca. 40 Minuten vom Zentrum Wiens entfernt und ist mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar. Das letzte Stück des Weges ist eine steile Straße, gesäumt von schönen Einfamilienhäusern mit Blick über Wien. Und dann fällt der Blick auf diese gewaltige Skulptur am höchsten Punkt des Hanges. Ich blieb unvermittelt stehen und war überwältigt von der Monumentalität, aber auch sehr beeindruckt von der rauen, groben Schönheit des Baus.

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Liesing bei Wien, Kirche zur Heiligen Dreifaltigkeit

In den Jahren 1974-76 wurde der Bau erstellt; Architekt war F.G. Mayr, der Künstler F. Wotruba. Maßgebliche Initiatorin – und eifrigste Spendensammlerin – war die Österreicherin Margarethe Ottillinger, die als angebliche Spionin zu 25 Jahren verurteilt, 7 Jahre in einem sowjetischen Arbeitstraflager verbringen musste und dort zu einer noch gläubigeren Frau wurde.

Der Bau besteht aus 152 rohen Betonklötzen in verschiedenen Maßen, unregelmäßig übereinander und nebeneinander aufgetürmt. Wenige Fensterschlitze aus einfachem Glas, auch sie in unregelmäßigen Formen, bringen das Licht ins Innnere, wo sich diese Lichtbündel oft überschneiden und ein strahlendes Licht erzeugen. Für mich ist dieser Bau eine spektakuläre Skulptur.

Ulrike Lutter