Sir Anthonis van Dyck (1599 – 1641)

Zur Van-Dyck-Ausstellung in der Alten Pinakothek

Im 15. und 16. Jh. galt Antwerpen, der Geburtsort des berühmten flämischen Barock-Malers Anthonis van Dyck, als eine der größten Städte der Welt. Nachdem sich die Reformation 1556 auch in den spanisch-habsburgischen Niederlanden durchgesetzt hatte, konnten sich „die sieben abtrünnigen Provinzen“ nach einem 80 Jahre währenden Dauerkonflikt mit der spanischen Krone (80-jähriger Krieg) nach Abschluss des „Westfälischen Friedens“ (1648) als Republik der Niederlande konstituieren. Im Rahmen dieser kriegerischen Auseinandersetzungen wurde Antwerpen 1585 von dem damaligen spanischen Statthalter erobert, und alle Protestanten hatten die Stadt zu verlassen. Van Dyck wurde also als Katholik in eine habsburgisch-spanische Provinz hineingeboren, die sich eigentlich mit Madrid im Kriegszustand befand.

1714, nach dem Aussterben der spanisch-habsburgischen Linie, gerieten die nach dem 1648 geschlossenen Westfälischen Friedensvertrag übrig gebliebenen südlichen spanisch-habsburgischen Provinzen an Habsburgisch-Österreich, bis schließlich 1830 das unabhängige Königreich Belgien entstand.

Die Familie des Künstlers war gut betucht (Textilhandel), wenn nicht gar reich, und ihr siebtes Kind, Antoon, war hoch begabt. Schon mit zehn Jahren begann der Sohn seine Ausbildung als Maler, und sein bekanntes „jugendliches Selbstporträt“ entstand, als der junge Künstler 16 Jahre alt war. Da hatte er schon sein eigenes Atelier, in dem er auch einen Schüler beschäftigte. Mit 19 Jahren war er ein unabhängiger, anerkannter Meister, und als er in diesem Alter als Freimeister in die Lukas-Gilde aufgenommen wurde, musste er zuvor für volljährig erklärt werden, wozu er die Zustimmung des Vaters benötigte. Seitdem arbeitete er für den großen flämischen Malerfürsten Antwerpens: Peter Paul Rubens (1577-1640), bei dem er auch wohnte, und der ihn natürlich auch beeinflusste. Bekanntermaßen war Rubens nicht nur als Künstler berühmt, er war auch oft in diplomatischen Diensten unterwegs und ging als Diplomat der spanischen Krone mit Größen des habsburgischen Reichs um. Diese Weitläufigkeit des großen Rubens blieb natürlich nicht ohne Einfluss auf den jungen Antoon. Mit 21 Jahren reiste er auf Einladung des 21. Earl of Arundel erstmals nach England, wo er für König James I. (Stuart) tätig war. Auf weiteren Reisen in Italien geriet er auch unter den Einfluss von Tizian und Veronese. Zurück in den Niederlanden hielt er sich oft am Hof in Brüssel auf, bevor er mit 33 Jahren (1632) endgültig nach England übersiedelte, wo er zum Hofmaler avancierte und als herausragender Portraitist für den englischen König Charles I. (Stuart) – und natürlich nicht nur für ihn – arbeitete. Noch im selben Jahr wurde er in den Adelsstand erhoben. Und noch heute ist die größte zusammenhängende Sammlung seiner Werke Eigentum der englischen Krone.

Seinen Ruhm festigte van Dyck vorwiegend als Portrait-Maler. Natürlich malte er nicht ausschließlich Portraits, wie man auch in der derzeit gezeigten Ausstellung über den großen Künstler in der Alten Pinakothek sehen kann. Aber ich fand diese am faszinierendsten. Gezeigt wird die Entwicklung des jungen Portrait-Künstlers ausgehend von seinen frühen Anfängen, wo es mit den Proportionen zwischen den Händen, die übrigens stets wunderbar ausgeführt wurden, und dem Haupt des Dargestellten manchmal nicht so ganz hinhaut. Sie sind anfänglich zu groß geraten. Dennoch, das sich entwickelnde meisterliche Können im Umgang mit den Farbvaleurs und in der zum Teil meisterlich ausgeführten Feinmalerei neben pastosen Pinselstrichen zeigt sich nicht nur in den zumeist ausdruckstarken Gesichtern in Dreiviertelansicht, sondern auch in der detailgetreuen Wiedergabe der fein gefältelten weißen Halskrause der voluminösen faltenreichen schwarzen Feiertags- und Amtsroben der niederländischen Männer (hier zumeist Malerkollegen) und verheirateten Frauen. Der Hintergrund ist in der Regel in dem für ihn so typischen, fast schmutzigen Braun gehalten: das „Van- Dyck-Braun“, das wegen seiner für ihn typischen Malweise nach ihm benannt wurde.

Schon Albrecht Dürer, der 120 Jahre vor van Dyck zur Welt kam, verdiente sein Geld vorwiegend mit Kupferstichen. Der Kupferstich war also zu Lebzeiten der großen flämischen Maler Rubens und van Dyck längst bekannt, und auch sie benutzten diese Technik, um ihre Werke zu verbreiten. So war auch van Dyck als Grafiker berühmt. In der Ausstellung werden auch Studien gezeigt, die die Meisterhand des Künstlers anhand der schnell zu Papier gebrachten Skizzen zeigen.

Antonis van Dyck verstarb 1641 in London. Er wurde nur 42 Jahre alt, aber sein Leben war erfüllt, und sein Ruhm machte ihn unsterblich. 1812 schuf der berühmte preußische Bildhauer Christian Daniel Rauch seine Büste, die in der Ruhmeshalle „Walhalla“ bei Donaustauf nahe Regensburg aufgestellt wurde.

Anneliese Beck